Fazit meiner Reise zum Nordkapp

Statistik:

  • Reisetage: = 57 Tage
  • Gefahrene Strecke: = 5780 km
  • Gefahrene Stunden: = 331,57 Std
  • Durchschnittsgeschwindigkeit: = 16,2 km/h
  • Größte Tagesetappe: = 152,5 km
  • Kleinste Tagesetappe: = 9km
  • Regentage: = 25 Tage
  • Tage mit Gegenwind: = 25 Tage
  • Gefahrene Höhenmeter: = ca. 60000 Höhenmeter
  • Reifenpannen: = 0
  • Austausch Verschleißteile: = 1 Satz Bremsbeläge und 2 Pedale

 

Häufige Fragen:

Warum hast die Reise allein gemacht? Aus meiner Sicht kann man so eine Tour nur alleine machen! Man braucht sich mit niemanden abzustimmen oder Rücksicht zu nehmen, denn häufig muss man sich aufgrund des Wetters, der Streckenführung, der Streckenlänge usw. abstimmen. Ich denke es hätte schon Diskussionen gegeben, fährt man oder fährt man nicht. Auch das Argument mit der Einsamkeit, ist nur bedingt richtig. Ich habe immer wieder sehr nette, interessante Menschen getroffen mit denen man sich unterhalten und austauschen konnte.

Würdest Du die Tour noch einmal machen? Unbedingt, es ist ein unglaubliches Erlebnis!! Man sammelt sehr viele schöne Erinnerungen. Beindruckend war für mich die unglaubliche Weite und die Entfernungen zwischen den Ortschaften in Schweden, „nach Norden und dann immer geradeaus“. Die Einsamkeit und völlige Ruhe auf den Straßen in Lappland. Herausheben möchte ich die Bilderbuchlandschaften der Vesteraalen und Lofoten. Gleichzeitig lernt man auf solch einer Tour seine eigenen Grenzen kennen bzw. auch, dass man mit Willenskraft über die eigenen Grenzen hinausgehen kann.

 

Streckenführung:

Den Streckenverlauf hatte ich mit meinen Navi System von Garmin ausgearbeitet. Für die Hinfahrt hatte ich mir die 27 Tagesetappen auf ca. 110km – 120km ausgearbeitet. Gewählt hatte ich die Strecke durch Norddeutschland bis nach Flensburg, innerhalb von Dänemark bis Grenaa und dann in Schweden ziemlich parallel zur E04 hoch bis nach Finnland und dann durch Nordnorwegen über Alta zum Nordkapp. Man sollte darauf achten zu mindestens in Südschweden möglichst abseits der großen Straßen zu fahren. Der Verkehr ist hier sehr stark und es macht wenig Spaß bei dem starken LKW Verkehr mit dem Fahrrad zu fahren. Die Verkehrsdichte nimmt aber ab je weiter man nach Norden Richtung Lappland kommt und deshalb ist es hier auch wieder möglich mehr größere Straßen zu nutzen. Für die Rückfahrt hatte ich auch einen groben Plan, aber über die jeweiligen Tagesziele habe ich mir erst gegen Mittag Gedanken gemacht. Abhängig von der Wetterlage und mit Hilfe der ortansässigen Tourist Informationen habe ich dann mögliche Zielorte/Übernachtungsmöglichkeiten ausgearbeitet. Dieses Prinzip kann ich nur empfehlen da man sehr flexibel auf die Unwägbarkeiten der Streckenführung sowie der Wetterlage, Regen/Wind, reagieren kann. Ein weiteres Hilfsmittel für die Quartiersuche war die App eines Hotelbuchungsservice auf dem Handy mit dem ich einige Quartierbuchungen durchführen konnte. Weiterhin ist anzumerken, dass wenn es Baustellen gibt, diese sehr lang sind und zumeist mit einem sehr groben Schotter als Unterbau vorbereitet sind. Auf diesem groben Schotter muss man dann mit dem Fahrrad fahren. Ausgeschilderte Ausweichstrecken sind meistens nicht vorhanden.

 

Ausrüstung:

Möglichst hochwertige Ausrüstung mitnehmen, das gilt für das Fahrrad wie auch für die Kleidung, Schlafsack und das Zelt. Ich hatte vergessen mir Gamaschen zu kaufen und so hatte ich bei starken Regen immer wieder nasse Füße, wie auch die Handschuhe wasserdicht sein sollten. Besonders das Fahrrad ist aufgrund der hohen Zuladung und der zum Teil schlechten Strecke schon sehr stark belastet. Für die Kleidung gilt je atmungsaktiver desto besser. Weiterhin würde ich mir gegen den Lärm in den vielen Tunneln Ohrschützer mitnehmen. Zur eigenen Sicherheit sollte zur Ausrüstung unbedingt auch eine Warnweste gehören. Die Kochausrüstung bestehend aus einem Gaskocher und dem Kochgeschirr würde ich nicht noch einmal mitnehmen, da ich überwiegend auf Campingplätzen übernachtet habe und hier jeweils eine Kochgelegenheit wie auch Geschirr zur Verfügung stand.

 

Verpflegung:

Da die Entfernungen zwischen den Einkaufsmöglichkeiten sehr groß sein können habe ich bei Planung der Übernachtungsstandorte immer darauf geachtet das ein Supermarkt oder ein Handlarn im Ort ist. Dort habe ich dann jeweils morgens einen Tagesvorrat an 3 – 4 Liter an Getränken / Wasser und die notwendige Verpflegung eingekauft. Hierzu gehörten auch die Powerriegel. Für das Abendbrot habe ich jeweils kurz vor Erreichen des Tageszieles eingekauft um nicht das Gewicht dieser Einkäufe über den Tag mit zu transportieren. Erwähnen möchte ich noch zum Thema Platzmangel das mir nach ein paar Tagen die Tempotaschentücher ausgegangen waren und ich mir eine neue Packung kaufen wollte/musste. Problematisch war, dass ich nur Großpackungen gefunden habe. Das Kaufen war einfach, die Unterbringung in den Packtaschen war die erste Herausforderung zum Thema Platzbedarf auf dieser Tour.  Grundsätzlich hatte ich das Problem die Einkäufe in meine Packtaschen unter zu bringen und so konnte ich max. Vorräte für 1,5 Tage mitzunehmen. Oftmals gab es die Produkte nur in großen Portionen und so ergab sich das Problem diese Portionen alleine aufzubrauchen, denn geöffnete Dosen lassen sich am nächsten Tag nicht transportieren.

 

Quartiere:

Während meiner Tour habe ich überwiegend in kleinen Hütten auf Campingplätzen übernachtet, weiterhin nutzte ich die Möglichkeit der Unterbringung in Vandrahems, Hotels und Pensionen. Im Zelt habe ich während der Zeit nur 2 Mal übernachtet, da ich sehr spät auf den jeweiligen Campingplätzen angekommen bin und deshalb die Rezeption schon geschlossen war. Auf jeden Fall würde ich im Vorwege prüfen ob eine Übernachtung in einem Einzelzimmer im Hotel/Vandrahem nicht günstiger ist als die Hütte auf dem Campingplatz. Ich habe wiederholt festgestellt, dass die Übernachtung im Hotel günstiger ist. Leider manchmal auch zu spät, wie in Honningsvag, wo das Hotelzimmer direkt neben dem Campingplatz 70 Nkr billiger war als die gemietete Raum in einer Hütte. Das Frühstück wäre ebenfalls im Preis enthalten gewesen. Wichtig ist auch bei der Planung zu prüfen ob die jeweiligen Campingplätze zum Reisetermin bereits geöffnet haben bzw. ob die Plätze überhaupt noch existieren.

 

Land und Leute:

Der tägliche Kontakt mit den Einheimischen wie z.B. beim Einkaufen, an den Rezeptionen der Campingplätze sowie auch die häufigen Besuche der Tourist Informationen gestalteten sich immer sehr positiv. Die Leute waren sehr freundlich und hilfsbereit. Ich habe auf der Tour nur einmal eine etwas unfreundliche Auseinandersetzung gehabt. Als ich mich bei einem Regenschauer auf einem Privatgelände unter einem Vordach untergestellt hatte wurde ich doch sehr bestimmt aufgefordert das Gelände zu verlassen. Mit den meistens Personen konnte man sich sehr gut in Englisch austauschen, zum Teil sprachen die Menschen auch Deutsch, hierbei handelte es sich um Deutsche die ausgewandert waren, welches die Kommunikation natürlich sehr einfach machte.

 

Geld und Kosten:

Euro/DKK/SEK/Euro/NOK/SEK/Euro. Auf meiner Tour habe ich mit 4 unterschiedlichen Währungen bezahlen müssen. In Deutschland und Finnland konnte ich mit Euro, während in Dänemark, Schweden und Norwegen jeweils die Landeswährung zur Anwendung kam. Speziell in den skandinavischen Ländern ist aber das Bezahlen mit der EC oder Kreditkarte üblich und zum Teil wird das auch gefordert/gewünscht bzw. man konnte in einigen Geschäften nur elektronisch zahlen. Mit Bezug auf das Kostenniveau ist mein Eindruck, dass man je weiter man nach Norden kommt die Lebenshaltungskosten steigen. In meinem Fall bildete die Kosten für die Übernachtungen, Hütten auf den Campingplätzen, Vandrahem`s und Hotels den größten Anteil an den Gesamtkosten der Reise.

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Tag 57 (20.7.2017)

Nach einer Nacht mit einem sehr starken Gewitter im Bereich von Lauenburg bin ich um 08:00 in meiner Unterkunft weggefahren und habe in einem Supermarkt mit einer Bäckerei gut gefrühstückt. Hier habe ich mich gleich wieder richtig heimisch gefühlt, denn neben mir saß eine Damengruppe die sich hier zum Frühstücken getroffen hatte. Es war sehr interessant wieder jedes Wort in so einer Runde verstehen zu können, dass hatte ich ja 2 Monate so nicht mehr erlebt.  Im Besonderen ging es um solche hochbrisante Themen wie die Einladung zu einer Silberhochzeit und warum einer eingeladen wird und der andere nicht! Ich habe nur gedacht, willkommen im Leben! Beim Getränkeeinkauf hatte ich mir wieder 3 Liter Wasser für den Tag besorgt, muss aber sagen das man die Getränkefrage auch anders lösen kann, denn vor mir stand ein Radfahrer der hatte sich 3 Liter Bier für den Tag besorgt! Na denn Prost. Der Herr hatte die Nacht auf einen Campingplatz in der Nähe verbracht und war abgesoffen. Jetzt war er gefrustet und musste erst einmal ein Bier trinken. Er wollte von Lauenburg noch wieder zurück nach Braunschweig fahren. Meine Strecke heute führte mich noch durch Lüneburg und weiter über Raven, Evendorf, Behringen nach Schneverdingen. Bis auf ein Regenschauer bin ich bei bedeckten Wetter gut um 15:40 und gefahrenen 77 km in Schneverdingen angekommen. Nach ingesamt 5780 km Gesamtstrecke habe ich meinen Heimatort gesund und munter wieder erreicht. Ich bin etwas abgekämpft, etwas leichter geworden, mein Fahrrad braucht dringend einen Kundendienst aber ansonsten ist alles Gut.DSCI0779

Endlich wieder zu Haus!

P.S. Eine Zusammenfassung meiner Reise mit ein wenig Statistik werden ich in der nächsten Zeit erstellen und Euch ebenfalls zum Lesen zur Verfügung stellen. Ich hoffe es hat allen ein wenig Spass gemacht, die Berichte zu lesen. Für den Fall das jemand meine Tour nachfahren möchte, die Daten meiner Reiseroute stehen elektronisch zur Verfügung. Die Strecke ist mit Garmin Basecamp ausgearbeitet worden.

Tag 56

‚Rolfi alleine zwischen Travemünde und Lübeck‘

Ich habe die Fähre heute um 08:15 verlassen und nach einer intensiven Diskussion mit einem Sicherheitsbeauftragten über das Tragen von Warnwesten auf dem Gelände des Fähranlegers, bin ich dann um 08:30 auf dem Fahrradweg der von Travemünde nach Lübeck führt angekommen. Das erste was ich hier gedacht habe, schlechte Fahrradwege aber sehr gute Ausschilderung, denn ich hatte gleich ein Schild vor Augen auf dem stand HL – Zentrum 15 km.  Nach meinem üblichen Einkauf bin ich dann weitergefahren bis zu einem weißen Schild mit grüner Schrift und dem Hinweis HL- Zentrum 10 km und weiterer Hinweis Herrentunnel 0,3 km. Für mich als geübten Radfahrer war sofort klar nach 300 m sollte ein Tunnel kommen. Ich bin dann 1/2 Stunde rumgeirrt und habe den weiteren Weg in Richtung HL-Zentrum bzw. den Tunnel gesucht und ich will Euch sagen, nicht gefunden!!! Dann habe ich mich bei einem älteren Herrn erkundigt und der hat mir dann erklärt wie es funktioniert. Der Herrentunnel verläuft im Zuge einer Bundesstraße, ist Mautpflichtig und für Fahrradfahrer absolut tabu. Man hat deshalb einen Busshuttle installiert der alle Radfahrer an einer Bushaltestelle aufsammelt, dann durch den Tunnel bringt und auf der anderen Seite wieder auslädt. Aha!! Das es nirgendwo einen Hinweis gibt, ist dieses Prozedere für Auswärtige nicht zu durchschauen. Liebe Stadtverwaltung Lübeck, ich habe es dem armen Busfahrer und der Tourist Info schon gesagt, dass ist eine 6 minus. Bitte ändert das ab.! Nach einer kleinen Stadtrundfahrt durch Lübeck bin ich dann entlang des Elbe-Lübeck Kanal bei herrlichen Sonnenschein, leichtem Gegenwind bis nach Lauenburg gefahren und habe mein Quartier dort nach 100 km Fahrtstrecke aufgeschlagen. Auf der Strecke hat mich ein Herr aus Wolfsburg begleitet der seit einer Woche mit seinem E-Bike durch Norddeutschland fährt und ebenfalls in Lauenburg übernachten wollte.

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Der Hafen von Travemünde morgens im Sonnenschein.

 

Tag 55

Um 09:30 habe ich Lund verlassen um meine letzte Etappe in Schweden zu fahren. Ich bin wieder auf der L108 gefahren die sich auf der Umgehung von Lund aber mit der E22 sowie E16 vereinigt und wieder zu einer 4 spurigen Straße mit Leiteinrichtung ‚Schutzplanken‘ wird, wobei die Leiteinrichtungen aus gespannten Drahtseilen bestehen. Ob man hier fahren soll/darf, habe ich bisher nicht herausfinden können. Ein Teil der Strecke habe ich aber dann doch gefahren bis sich dann die Wege der einzelnen Strecken wieder trennten. Es gab aber weiterhin die Situation das die Strecke der L108 mal wieder 4 spurig wurde um sich nach wenigen km wieder auf 2 Spuren zu verkleinern. Auf dem 4 spurigen Teil ist es schon abenteuerlich mit dem Fahrrad zu fahren und macht überhaupt keinen Spaß, denn die Autofahrer geben hier richtig Gas. Ich bin dann nach 62 km in Trelleborg angekommen und habe mich erst einmal im Ticketcenter der TT Line nach den Abfahrtsmodalitäten der Fähre Trelleborg – Travemünde erkundigt. Auf der Strecke heute bin ich an dem schwedischen Reitergymnasium vorbeigekommen. Wusste gar nicht, dass es so etwas gibt.! In Trelleborg habe ich mich dann eine Zeit lang in Tourist Info aufgehalten, weil hier ein freies WIFI zur Verfügung steht und habe mich um meine Berichte gekümmert bzw. habe die Boehme-Zeitung gelesen. Danach habe ich in der Fußgängerzone noch eine längere Pause in einem Café eingelegt und bin dann zum Fährhafen gefahren und habe mir mein Ticket für die Überfahrt geben lassen. Um 20:00 durfte ich dann als erstes Fahrzeug/Fahrrad auf das Schiff fahren. Ich habe dann am Abendbuffet teilgenommen und konnte so vom Restaurant aus, die Abfahrt der Fähre aus dem Hafen von Trelleborg beobachten. Ab morgen früh 07:30 werde ich wieder in Deutschland sein und dann meine letzten beiden Etappen in Angriff nehmen.

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So kann ein Gymnasium aussehen.

P.S. Mir ist heute beim Abend aufgefallen, dass trotz der vielen Besuche von Cafés auf der Tour, es doch zu einer Figur- und Gewichtsoptimierung bei mir gekommen ist. Hoffentlich hat sich der Inhalt meines Kleiderschrankes darauf eingestellt. ;-))

 

Tag 54

Ich habe mir heute Morgen gegen 07:30 in der Küche des Vandrahem mein Frühstück zubereitet und danach Online die Böhme-Zeitung studiert. Man muss sich auch ein wenig über die Vorkommnisse in der Heimat informieren. Um 08:15 wurde die Ruhe im Frühstücksraum durch lautes klopfen an der Haustür unterbrochen, Shemia die ebenfalls beim Frühstücken war ging dann zur Tür und öffnete. Vor der Haustür stand ein ziemlich aufgelöster Engländer der mit seinem Fahrzeug liegen geblieben war und eine Unterkunft für sich und seine Familie suchte. Shemia hat dann den Seniorchef geweckt und dafür gesorgt das die englische Familie für die nächsten 2 Tage ein Dach über den Kopf hat. Sie hat dann auch Kaffee für den Herrn gekocht und sich dann intensiv um Ihn gekümmert. Die Dame ist schon ein Kommunikationswunder! ,-  )) Beim Beladen meines Fahrrades habe ich mich dann noch kurz mit dem Engländer über die 25 kg Zuladung an meinen Fahrrad unterhalten bzw. habe Ihn über meine Reiseroute informiert. Er war erstaunt das sich jemand so etwas antut!! Ich habe mich dann auf den Weg gemacht, immer noch auf der E4. Kurz vor Örkelljunga habe ich dann ein Paar aus Slowenien auf der Strasse angesprochen. Die beiden fahren die Hauptstädte Kopenhagen, Stockholm und Helsinki ab. Gestartet sind beide in Sylt und wollen von Helsinki aus wieder nach Deutschland und dann mit dem Bus nach Hause. In Örkeljunga hat mich mein Spürsinn wieder direkt zu einer Konditorei geführt wo es Kaffee und Kuchen gab. Ich hatte mich dann mit der Bedienung über einen Weg aus dem Ort heraus zur L108 unterhalten als mich jemand auf Deutsch seine Hilfe anbot mir den Weg zu beschreiben. Ich habe mich dann noch an den Tisch des Herrn begeben an dem auch noch seine Frau saß. Sie haben mir dann ausführlich die Vorzüge beschrieben in Schweden zu leben. Die beiden haben hier ein Grundstück von 2000 qm mit 2 Häuser darauf. Sie reisen ca. 4-5 Mal im Jahr nach Schweden und machen hier Urlaub. Betont haben beide, dass die Häuser ausschließlich von der Familie genutzt und nicht vermietet werden. Als ich dann aus dem Ort herausfahren wollte bin ich noch einem älteren Ehepaar aus Bayern begegnet, die mit dem Fahrrad auf dem Weg nach Markaryd waren um dort den Geburtstag eines Neffen zu feiern. Beide waren inzwischen 900 km gefahren. In Deutschland hatten sie versucht den Weg an der innerdeutschen Grenze zu befahren, waren aber anscheinend an dem Schwierigkeitsgrad der Strecke gescheitert. Beide sind deshalb ein Großteil der Strecke mit dem Zug gefahren. Ich bin dann gemütlich auf der L108 weiter in Richtung Süden bis nach Lund gefahren. Wobei ich sagen muß, dass der Wind mich einen 1/2 Tag in Ruhe gelassen hat, sich dann aber daran erinnerte das es ja noch den einsamen Fahrradfahrer aus Deutschland gibt, den er heute überhaupt noch nicht beschäftig hat. Also kurz, ca. 40 km Gegenwind, den ich erst wieder kurz vor Lund durch eine Streckenänderung ausweichen konnte. Ansonsten schien heute die Sonne und es war ein herrlicher Tag. Zur L108 muss ich noch sagen, dass die Straße urplötzlich vor Lund zur einer 4 sperrigen Schnellstraße wird. Es gibt weder einen Hinweis dahingehend noch Informationen ob es für Fahrradfahrer Alternativen gibt. Ich habe mich nicht getraut mit dem Fahrrad auf dieser Straße zu fahren und habe mir mit Schwierigkeiten einen anderen Weg gesucht. Gefahren bin heute 122 km und war gegen 18:00 in Lund.

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Ich kann nicht sagen was hier wächst. Der südliche Teil von Schweden ist geprägt durch große Ackerflächen mit Getreide, Zuckerrüben, Mais, Kartoffeln und das was auf dem Bild wachsen soll.

Tag 53

Heute sollte mich die 3. letzte Etappe in Schweden von Ljungby aus über der alten E4 weiter in Richtung Trelleborg bringen. So bin ich dann, nachdem ich die Fahrradkette noch einmal saubergemacht und geölt hatte, losgefahren. Erstes Ziel war ein Supermarkt in der Stadt um wie üblich meine Vorräte aufzufüllen. Ich habe dann in dem angrenzenden Café noch eine kleine Pause gemacht und dabei die älteren Herrschaften beobachtet die hier am Sonntagmorgen gefrühstückt haben und sich hierbei lautstark über etwas unterhalten haben, leider kein Wort verstanden! Dabei waren auch Herren die gesundheitlich angeschlagen waren u.a.  führte eine Person auch ein Sauerstoffgerät mit sich. Ich war dann doch froh das ich mich jeden Tag noch über Regen, Wind und andere Dinge beim Radfahren aufregen kann, aber gesundheitlich nicht eingeschränkt bin! Ich denke man sollte/muss froh sein, dass man solche Dinge wie diese Tour noch machen kann. Gegen 10:00 ging es dann endgültig los und ich bin bei Sonnenschein losgefahren. Leider hatte sich das dann aber gegen 10:30 mit dem Sonnenschein erledigt und es fing an zu regnen und der wollte dann überhaupt nicht wieder aufhören. Trotz mehrerer Pausen änderte sich die Situation nicht. Um 13:30 bin ich dann in Markaryd angekommen, habe mich in dem ersten Café verkrochen und habe gewartet. Zwischendurch hatte ich mit dem Besitzer, einen gebürtigen Türken, noch ein Gespräch. Er lebt seit 30 Jahren in Schweden, hat 6 Kinder und auch 6 Geschäfte, für jedes Kind eins! Eines kann ich nur sagen, er ist kein Freund von Herrn Erdogan, so wie er über diesen Herrn geschimpft hat. Wir Deutschen würden viel zu behutsam mit Erdogan umgehen, die Holländer hätten sich im Wahlkampf viel konsequenter verhalten. Nachdem ich eine Stunde gewartet hatte war es immer noch am Regnen. Also Schluss für heute nach 54 km. Nächste Aktion war ein Quartier zu finden, der einzige Campingplatz in der Gegend lag aber 19 km außerhalb und ich wollte keinen Meter mehr fahren. Deshalb bin kurz um die Ecke und habe mich zu einem Vandrahem begeben. Das war geschlossen, aber es war eine Tel. Nummer angeschlagen bei der ich mich gemeldet habe. Es sollte dann nach 20 Minuten der Seniorchef vorbeikommen und mir aufschließen. Ich wollte mich dann noch für die 20 Minuten irgendwo unterstellen, aber das war dann nicht mehr nötig, denn es kam Shemia eine Dame aus Somalia die ebenfalls in dem Vandrahem wohnte. Sie schloss die Tür auf und hat mich mit ins Haus genommen, es gab dann auch gleich einen Kaffee und so verging die Zeit doch sehr schnell bis der Seniorchef vorbeischaute. Die Nacht konnte ich dann in einem sehr schönen alten Haus verbringen und mein Fahrrad hat im Wohnzimmer eine Bleibe gefunden. Mit Shemia habe ich mich dann später noch weiter unterhalten, Sie ist 14 Jahre in Schweden und arbeitet als Dolmetscherin für die Asylanten. Da Ihre Wohnung einen Wasserschaden hat muss Sie vorübergehend in dem Vandrahem wohnen. Der Regen hat im Übrigen bis zum Abend nicht aufgehört. Ach so, Wind gab es heute auch, nicht dass ich das vergesse, aber er kam mehr von der Seite und das ist schon einmal besser als von vorne!!!DSCI0751.JPG

Der Chef hat gesagt, stell Dein Fahrrad genau da hin. Ich möchte betonen das Fahrrad war genauso nass wie ich und geputzt war es auch nicht.

Tag 52

Bedingt durch den starken Nebel heute Morgen habe ich mich entschlossen später loszufahren, somit fing die Tour heute erst um 09:30 auf dem Campingplatz in Tranemo an. Den ersten Teil der Strecke bin ich dann auf der E27 bis nach Gislaved gefahren. Von dort aus ging es nach einer Pause bei der Tourist Info weiter über kleine Landstraßen nach Reftele, Äs, Bolmsö, Tannäcker bis zum Zielort Ljungby. Auf dem Campingplatz in Ljungby bin ich dann nach 111 km gegen 17:45 angekommen. Ich hatte mir von unterwegs schon das Quartier sowie auch die Nutzung der Waschmaschine und des Trockners ab 18:00 gebucht. Heute gab es nachdem Frühnebel bis zum frühen Nachmittag Sonnenschein, danach leider aber auch 2,5 Stunden starken Regen, der mich 10 km hinter Reftele erreichte und erst kurz hinter Bolmsö wieder aufhörte. In dem Streckenteil danach hatte es den Tag überhaupt nicht geregnet, dafür war ich aber mal wieder richtig nass geworden. An der Fähre nach Bolmsö habe ich heute einen Schweden mit einem Rennrad getroffen, dem das Wetter genau so zu schaffen machte wie mir, er musste an der Stelle aber noch 70 km fahren ich hingegen noch 20 km. Auf der Fähre konnte wir uns in einer kleinen Kabine dann vor dem Regen schützen. Das hat uns aber auch nur eine 1/4 Stunde geholfen dann mussten wir da wieder raus. Es ist mir schon sehr oft aufgefallen das es sehr viele Oldtimer in Schweden gibt, auffällig sind die großen amerikanischen Fahrzeuge die hier gefahren werden. Als wir beide von Bord gingen fuhr ein alter Jaguar gerade von der Fähre und der Schwede sprach mich darauf an, ob mir alte Fahrzeuge gefallen würden. Er ist gerade dabei einen alten Käfer aus dem Jahr 1964 zu restaurieren, weiterhin hat er noch einen VW Bus von 1976 der noch darauf wartet überholt zu werden. Er hat dann seine Tour fortgesetzt und ich habe mir alle Regensachen angezogen die ich bei mir hatte und bin auch weitergefahren. Nach 5 km konnte ich aber alles wieder ausziehen denn es wurde auf Schlag trocken. Nass bin ich trotzdem geworden und so hat sich die Waschmaschine und der Trockner richtig gelohnt.  Die Fahrt heute führte mich durch ein sehr landwirtschaftlich geprägtes Gebiet, es gibt hier sehr große Milchviehbetriebe. Zurzeit ist man gerade dabei die Silage einzufahren.

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Über den Spritverbrauch eines solchen Autos hüllen wir den Mantel des Schweigens.